Niklas Goldbach's work negotiates the relationship between architecture and necropolitics within its modernist traditions and postmodern manifestations. His works dissect architectural elements and concepts that serve both as backdrops and catalysts of (neo)liberal subject construction. In Freiburg, Goldbach presents his new photographic installation Aufstellung: Freiburg, its title alluding to the therapeutic method of systemic family constellation that attempts to reveal unrecognized dynamics and traumas in a given family. A newspaper article about the expulsion of homeless people from a former nuclear protection bunker in Freiburg marks the starting point of this work. Challenging the notion of public space in Freiburg and its surroundings, the installation explores contemporary forms of displacement, decay and liminality and consists of a series of photographs of abandoned spaces and infrastructures often providing shelter and protection for those rendered invisible by dominant society. While the individual images are extended through sleeping matts that serve as props, the unframed photographs precariously lean against walls and pillars — their delicate position reminding us of the inherent fragility of life.
Fanny Hauser, Exhibition text BfF #1 – 1. Biennale für Freiburg, 9/2021
Die Arbeiten von Niklas Goldbach verhandeln die Beziehung von Architektur und Nekropolitiken in ihren modernistischen Traditionen und postmodernen Erscheinungsformen. Seine Arbeiten sezieren architektonische Elemente und Konzepte, die sowohl als Kulisse als auch als Katalysator für (neo)liberale Subjektkonstruktionen dienen. In Freiburg zeigt Goldbach seine neue Fotoinstallation Aufstellung: Freiburg. Der Titel spielt auf die therapeutische Methode der systemischen Familienaufstellung an, die versucht, unerkannte Dynamiken und Traumata in einer Familie aufzudecken. Ein Zeitungsartikel über die Vertreibung von Obdachlosen aus einem ehemaligen Atomschutzbunker in Freiburg bildet den Ausgangspunkt der Arbeit. Die Installation stellt den Begriff des öffentlichen Raums in Freiburg und Umgebung in Frage und untersucht aktuelle Formen der Verdrängung, des Verfalls und der Liminalität. Die Foto-Serie zeigt verlassene Räume und Infrastrukturen, die oft Obdach und Schutz für diejenigen bieten, die von der herrschenden Gesellschaft unsichtbar gemacht wurden. Durch Schlafmatten gestützt, lehnen die ungerahmten Fotografien an Wänden und Säulen – ihre prekäre Positionierung erinnert zugleich an die Fragilität des Lebens.
Fanny Hauser, Ausstellungstext BfF #1 – 1. Biennale für Freiburg, 9/2021
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[…] Eine der fotografisch herausstechenden Positionen war jene von Niklas Goldbach. In einer stillgelegten öffentlichen Toilette an der Kaiserwache, einem einstigen Cruising Spot, installierte der Künstler eine digitale Slideshow, in der sämtliche seiner seit 2013 entstandenen Fotos mit 12 Bildern pro Sekunde als Referenz an sein Studioarchiv in einem mehrstündigen Loop gezeigt wurden. Dieser bannte die Betrachter*innen entweder in einem Sog des Verweilens oder rief aufgrund der Schnelligkeit der Bilder visuelle Adaptionsschwierigkeiten hervor. Darüber hinaus setzte sich Goldbach in seiner Fotoinstallation Aufstellung: Freiburg (2021) mit den architektonischen Strukturen der Stadt wie dem Bunker unter dem Schlossberg auseinander, für die ein Zeitungsartikel über die Vertreibung von Obdachlosen als Ausgangspunkt diente. Auf verschiedenfarbigen Yoga- oder Gymnastikmatten platzierte er ein Foto in der Toilettenanlage und weitere im Kunstverein an Säulen lehnend. Zusätzlich gab er die Zeitung SAND heraus, die an Straßenzeitungen erinnert und sich dem verlassenen Gebäude der Schwarzwaldklinik Bad Rippoldsau widmete […].
Walter Seidl, Camera Austria Nr. 156, Review BfF #1 – 1. Biennale für Freiburg, 2021